DFG-Projekt „Wissen vor Ort“

Ein Forschungsprojekt an der TU Darmstadt zu semiotischen Landschaften an Wanderwegen

Wissen vor Ort – Logo

Lehrpfade als multimodales „Wissen vor Ort“: Zur raumsemiotischen Konstruktion unterschiedlicher ,Landschaften‘ und Mensch-Natur-Beziehungen im Nationalpark

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), 2026–2029


Während die bisherige Linguistic Landscape-Forschung vor allem den urbanen, zum Teil auch den ländlichen Raum in den Blick nimmt oder sich auf sogenannte „eduscapes“ in Bildungseinrichtungen konzentriert, widmen wir uns semiotischen Landschaften in der (Natur-/Kultur-)Landschaft. In Wald und Weinberg, im Moor und am Feldrand, beim Wandern und Radfahren – überall begegnen wir Schildern oder anderen Formen öffentlicher Kommunikation. Neben orientierenden Schildern zur Wegweisung finden wir hier Verbots- und Gebotsschilder, Werbung für Einkehrmöglichkeiten, Denkmäler und Mahntafeln – und eben auch Lehrpfade.

Im aktuellen Projekt „Wissen vor Ort“ analysieren wir 10 Lehrpfade im Rauriser Tal im Nationalpark Hohe Tauern, dem ältesten Nationalpark Österreichs. Wir greifen dabei vor allem auf Ansätze aus der Multimodalitätsforschung und der ethnographischen Linguistic-Landscape-Forschung zurück.

Hörbuch mitten im Wald: Schutzhütte mit Infotafeln und „Geräusche-Buch“ des Lehrpfads „Rauriser Urwald“

Lehrpfade sind eine im deutschsprachigen Raum weit verbreitete kulturelle Praktik der außerschulischen Wissensvermittlung. Sie verwenden sprachliche und nicht-sprachliche Zeichen – zum Beispiel auf Schildern, in Schaukästen oder an (interaktiven) Erlebnisstationen. Auf diese Weise benennen und beschreiben sie Kulturlandschaft, vermitteln sie Wissen und regen sie zu nachhaltigem Verhalten an.

Zwei hölzerne Schaukästen mit einer Infotafel im Wald
Schaukästen und Rätselspiel: Unterschiedlich alte Stationen von „Tilly’s Waldpfad“

Die Lehrpfade im Rauriser Tal haben unterschiedliche Themen – Almwirtschaft, Wald/Urwald, Greifvögel, Wasser, Blumen, Gletscher und die Geschichte des Goldabbaus – und stammen von unterschiedlichen Akteuren (Nationalparkverwaltung, Gemeinde Rauris, Tourismusbetriebe, Landwirtschaftliche Initiativen). Außerdem sind sie unterschiedlich alt (von den 1980er Jahren bis 2025), manche Lehrpfade bestehen sogar aus unterschiedlichen Altersschichten und werden immer wieder durch einzelne neue Schilder angereichert (zum Beispiel „Tilly’s Waldpfad“ für Kinder).

Uns interessieren die in den Lehrpfaden vermittelten Mensch-Natur-Beziehungen und die dort entworfenen Landschaftsbilder – zum Beispiel die sich darin widerspiegelnden Konflikte, wie sie sich in einem großen Schutzgebiet wie einem Nationalpark zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus zwangsläufig ergeben.

Station 11 „Gletscherrückgang: Die Folgen der Schmelze“ des neuen Lehrpfads „Gletschereis und Goldrausch“ (2025) vor dem Gletschertor